Sensationeller Erfolg für den 1. SJV bei den Deutschen Ju-Jutsu-Meisterschaften 2017

Etienne Jäger wird Deutscher Meister.

Silber und Bronze für Annika Meyer und Vincent Gaebel.

Traumresultate erreichten unsere drei Ju-Jutsu-Wettkämpfer Annika, Vincent und Etienne am vergangenen Samstag, 24.Juni 2017, bei den Deutschen Meisterschaften in Limburg.

Hier eine Zusammenfassung des aufregenden Wettkampftages im Zeitraffer:

Etienne startete nach seiner fast zweimonatigen Zwangspause aufgrund einer Knieoperation im März erstmals nicht mehr in der Jugend sondern bei den „Senioren“. Am Vormittag durfte er sich in seiner Gruppe der Herren / -69 Kg mit teils deutlich älteren Gegnern messen:

In Runde 1 gegen Dominik Günther vom TuS Apelern in Niedersachsen fand er sofort seinen Wettkampfmodus wieder, ließ dem Gegner keine Chance und siegte souverän mit 17:3.

Etienne auf dem Weg in den „Wettkampftunnel“

 

Etienne – wie immer stark im Bodenkampf

In Runde 2 ging es gegen das erste „Schwergewicht“ dieser Gewichtsklasse, den erfahrenen Kämpfer Jonas Hillig vom TuS Berne (Hamburg), mit dem er sich mit gemischtem Erfolg schon das ein oder andere Mal in der Jugend messen konnte. Etienne kam langsam auf Hochtouren und landete einen ungefährdeten 18:6-Sieg. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war zu erahnen, dass heute vielleicht sogar eine Medaille drin ist.

In der dritten Runde ging es bereits um „Hopp oder Topp“. Trostrunde oder Finale? Hier wartete mit dem Bayern Christian Bold vom TSV Nördlingen einer der ältesten und erfahrensten Wettkämpfer des heutigen Tages. Etienne startete verhalten und sein Gegner konnte sich in der ersten Hälfte durch einige schnelle Atemi-Techniken einen 9:5-Vorsprung erarbeiten. Etienne blieb gelassen, lauerte auf seine Chancen und machte seinerseits mit schnellen Schlag- und Trittkombinationen Druck. Mit Beginn der letzten Minute lag Etienne 9:11 zurück. Durch einen Fauststoß mit anschließender blitzschneller Wurftechnik konnte er einen Ippon in Part 2 platzieren – die Führung zum 12:11. Für die letzten 40 Sekunden waren jetzt volle Konzentration und eine gehörige Portion Taktik nötig. Noch einmal konnten beide Gegner einige Treffer landen und der Nördlinger konnte zum 14:14 ausgleichen. Durch Etiennes Ippon in Part 2 zwar noch immer eine knappe Führung, aber jetzt hieß es, die letzten 20 Sekunden gegen einen immer massiver agierenden Gegner zu überstehen.

Geschickt konterte Etienne den letzten Angriff und zwang seinen Gegner vom Stand- in den Bodenkampf. Hier ließ er mal wieder nichts anbrennen und vereitelte jede Möglichkeit auf eine weitere Wertung. Somit ein knapper aber verdienter Sieg dank einer seiner bisher besten taktischen Leistungen und für Etienne erstmals seit 2012 der Einzug ins Finale der nationalen Titelkämpfe.

Danach war für ihn Pause, da die Finalkämpfe am Schluss des Tages angesetzt waren. Zeit genug, um sich als Coach um Annika und Vincent zu kümmern.

Zunächst startete Annika in ihrer Gruppe U21 weiblich / -55 Kg in den Wettkampf. In dem Sechserpool befanden sich sage und schreibe vier aktuelle Bundeskaderathletinnen. Eine Hammeraufgabe, zumal zwei davon besiegt werden mussten, um ins Finale einzuziehen. Als erste Hürde wartete die Bundeskaderathletin Melina Tittel vom TuS Finkenwerder. Annika zeigte keinerlei Respekt vor der älteren Kontrahentin und legte sofort energisch los. Trotz größerer Reichweite der fast einen Kopf größeren Gegnerin konnte Annika durch ihre Schnelligkeit alle Angriffe kontern und selbst punkten. Auch alle Angriffe der Gegnerin in Part 2 (Wurftechniken) konnte Annika parieren und auch im Bodenkampf konnte sie ihre Kontrahentin mächtig unter Druck setzen. Am Ende stand ein glatter 7:1-Sieg für Annika auf dem Monitor.

Nur eine kurze Pause, dann ging es gegen die Nummer 1 dieser Altersklasse, Bundeskaderathletin Jenny Grudnio vom Lübecker JC. Annika erwischte einen Traumstart, konnte den ersten Fußstoß ihrer Gegnerin abfangen und mit einem Fußfeger sofort mit 2:0 in Führung gehen. Diesen Vorsprung konnte sie in einem verbissen geführten Kampf bis auf 7:3 ausbauen. Doch da zeigte ihre Gegnerin nochmal ihre ganze Erfahrung und Willenskraft – nach zähem Ringen konnte sie einen Ausheber ansetzen und Annika anschließend 15 Sekunden am Boden festlegen. Ippon in Part 2 + 3 und somit beim Stand von 7:7 die Möglichkeit, durch einen einzigen sauberen Schlag oder Tritt in den verbleibenden 40 Sekunden den Kampf vorzeitig für sich zu entscheiden.

 

Mit intensiven Angriffen wollte die Lübeckerin dies auch sofort in die Tat umsetzen, aber Annika behielt die Nerven, wehrte die Angriffe mehrfach ab und konnte dabei selbst noch auf 8:7 erhöhen. 20 Sekunden vor Schluss konnte sie ihre Gegnerin greifen, auf den Boden zwingen und ihr somit die letzte Chance auf einen Treffer nehmen. Jetzt musste sie noch den Bodenkampf ohne Fehler überstehen und tatsächlich gelang es ihr, die Kontrahentin noch einmal in einen Klammergriff zu nehmen bis die Kampfzeit zu Ende war. Mit 9:7 am Ende ein völlig verdienter Erfolg und der zweite Finaleinzug für den 1. Sprendlinger JV.

Annika behält die Nerven – und das Gleichgewicht…

Mit so guten Vorbildern startete auch Vincent voller Motivation in den Wettbewerb seiner U21 männlich / -77 Kg. Gleich für den ersten Kampf wurde ihm mit Fridolin Vach vom 1.JJV Bernau in Brandenburg der U18-Weltmeister von 2015 zugelost, der dann am Ende auch den Meistertitel holen konnte. Gegen diesen Hochkaräter konnte Vincent wenig ausrichten. Er zeigte einen guten Kampf, musste am Ende mit einer 5:12-Niederlage aber die Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Somit ging es für ihn in der Trostrunde weiter, in der nach langem Weg mit vielen Kämpfen nur noch Bronze zu holen ist, sofern man eine weitere Niederlage vermeiden kann.

Irgendwie schien ihn die Auftaktniederlage jedoch motiviert zu haben, denn in den nächsten beiden Runden gegen Gegner aus Niedersachsen und Hessen war er kaum zu bremsen. Mit zwei Full-Ippon-Siegen zunächst nach 80 Sekunden gegen Lukas Kirchner vom TuS Apelern und anschließend nach 93 Sekunden im Duell mit Robin Teichmann vom JC Hofheim, gegen den er bei den Westdeutschen Meisterschaften im Mai noch eine Niederlage einstecken musste, startete er in bestechender Manier durch ins kleine Finale um einen der beiden dritten Plätze.

Als Gegner erwartete ihn hier mit Tobias Klein-Helmkamp der Norddeutsche Vizemeister aus Osnabrück. Wie bereits die beiden letzten Fights von Etienne und Annika war auch dieser Kampf  nichts für schwache Nerven. Nach einem voll konzentrierten Start und einer satten 7:2-Führung drehte sein Gegner nochmal richtig auf und setzte Vincent ordentlich zu. Da dieser mit seinen Kräften nach den vorherigen anstrengenden Kämpfen fast am Ende war, konnte der Osnabrücker in der letzten Minute noch aufholen und 19 Sekunden vor Schluss sogar mit 9:8 in Führung gehen. Doch Aufgeben war für die Sprendlinger Fighter an diesem Tag keine Option.

 

Zehn Sekunden vor Schluss mobilisierte Vincent nochmal alle seine Reserven für einen letzten Angriff und landete tatsächlich noch einen Ippon-Treffer, der ihm den umjubelten 10:9-Sieg und somit die Bronzemedaille bescherte.

Nach Beendigung der Vorrunde, den Finalkämpfen um Platz 3 und einigen Siegerehrungen starteten ab 17 Uhr die Finalkämpfe, live übertragen im Internet über die Homepage von „Sportdeutschland.tv“.

 

Annikas Finale war das erste, ihre Gegnerin wie schon im Mai in Maintal Hannah Lux vom JC Limburg. Leider konnte Annika ihre Form vom Vormittag nicht vollständig ins Finale mitnehmen. Der von den heimischen Fans angefeuerten Bundeskaderathletin konnte sie nicht mehr genügend Power entgegensetzen und musste am Ende eine recht klare 4:11-Niederlage hinnehmen. Ihre Freude über diesen überraschenden Erfolg und ihre erste Silbermedaille bei den Deutschen Meisterschaften war dennoch riesengroß. Zumal dies ihr erstes Jahr in der U21 ist.

Hätte sie nach dem Finale nicht sofort aufbrechen müssen, um noch einigermaßen pünktlich zu ihrem Abi-Ball zu erscheinen, hätte sie bestimmt gerne auf dem Siegerpodest – umringt von international erfahrenen Bundeskaderkämpferinnen – ihre verdiente Medaille in Empfang genommen.

Da die Finalkämpfe der Herren am Ende des Tages angesetzt waren, bestritt Etienne einen der letzten Kämpfe des Tages. In einem rein hessischen Finale stand er dem Titelverteidiger gegenüber: Kevin Crichton vom KSC Hanau. Der einige Jahre ältere und international erfahrene Gegner wurde bereits in der Jugend Welt- und Europameister. Die beiden Kontrahenten begannen vorsichtig, belauerten sich und warteten auf Fehler des Gegners. Zunächst konnte sich Etienne durch einige saubere Schläge einen kleinen Vorsprung erarbeiten. Nach zwei Minuten und einem gekonnten Fußfeger des Hanauers stand es dann 4:4.

 

In der letzten Minute probierten beide nochmal zu punkten, absetzen konnte sich aber keiner der Kontrahenten und 14 Sekunden vor Kampfende führte Etienne denkbar knapp mit 8:7. Beim letzten Angriff des Hanauers gelang Etienne noch ein Fauststoß – Ippon Part 1 und somit eine 10:7-Führung. In der letzten Sekunde konnte sein Gegner Etienne zwar noch zu Boden bringen, mit 10:8 ging der Sieg dennoch verdient nach Sprendlingen. Etienne freute sich im siebten Anlauf und zuletzt dreimal Bronze in Folge riesig über seinen ersten Gewinn einer Deutschen Meisterschaft. Und das ausgerechnet im ersten Jahr bei den Senioren.

Der erste Sprendlinger Deutsche Meistertitel im Ju-Jutsu-Fighting seit den 90er Jahren!

Unter www.sportdeutschland.tv ist der Film mit allen Finalkämpfen derzeit noch archiviert. Unter dem Suchbegriff „Ju-Jutsu Deutsche Einzelmeisterschaften 2017“ ist er auch ganz einfach zu finden. Annikas Finalkampf ist ganz am Anfang zu sehen, Etiennes Finale startet bei ca. 0:48:30.